Deep Learning vs Machine Learning – Welche Methode passt zu deinem Datenprojekt?

Mein Analytics-Dashboard zeigt mir gerade 340 Modelle in Produktion. Manche laufen auf simplen Entscheidungsbäumen, andere fressen sich durch zigfache Schichten neuronaler Netze. Und weißt du was? Die teuersten Modelle sind nicht immer die besten. Manchmal gewinnt der schlanke Random Forest gegen das Deep-Learning-Monster – einfach weil er zum Problem passt. Die Frage ist nicht, welche Technologie cooler klingt. Die Frage ist: Was löst dein konkretes Problem?

Deep Learning und Machine Learning werden gerne in einen Topf geworfen. Verständlich – Deep Learning ist ja technisch gesehen eine Unterkategorie von Machine Learning. Aber in der Praxis? Unterschiedliche Welten. Andere Ressourcen, andere Denkweise, andere Fehlerquellen. Und vor allem: andere Situationen, in denen sie wirklich Sinn machen.

Lass uns das auseinandernehmen. Ohne Buzzwords, ohne Marketing-Blabla. Nur die Fakten, die du brauchst, um eine solide Entscheidung zu treffen.


Machine Learning – Das Fundament intelligenter Systeme

Machine Learning ist der Oberbegriff für Algorithmen, die aus Daten lernen, ohne explizit programmiert zu werden. Klingt abstrakt? Ist es eigentlich nicht. Du gibst einem Modell Beispiele – Input und gewünschten Output – und es findet Muster, die es auf neue, ungesehene Daten anwenden kann.

Die klassischen Ansätze – nennen wir sie mal «traditionelles ML» – arbeiten mit strukturierten Daten und brauchen oft Feature Engineering. Das heißt: Du musst dem Modell sagen, worauf es achten soll. Bei einer Kreditwürdigkeitsprüfung zum Beispiel definierst du Features wie Einkommen, Schuldenquote, Zahlungshistorie. Das Modell lernt dann, wie es diese Features gewichtet.

Typische Algorithmen im klassischen ML:

  • Entscheidungsbäume und Random Forests
  • Support Vector Machines
  • Lineare und logistische Regression
  • Gradient Boosting (XGBoost, LightGBM)
  • Naive Bayes

Diese Methoden sind schnell trainiert, laufen auf Standard-Hardware und – nicht unwichtig – sie sind interpretierbar. Du kannst nachvollziehen, warum ein Modell eine bestimmte Entscheidung trifft. Bei regulatorischen Anforderungen oder kritischen Business-Entscheidungen ist das Gold wert.

Die Grenzen? Wenn die Daten komplex werden. Bilder, Sprache, zeitliche Abhängigkeiten über viele Schritte hinweg – da stößt klassisches ML an seine Grenzen. Nicht weil es grundsätzlich unfähig wäre, sondern weil der manuelle Aufwand fürs Feature Engineering explodiert.


Deep Learning – Wenn Komplexität zur Norm wird

Deep Learning baut auf neuronalen Netzen auf, aber nicht auf den flachen zwei- oder dreischichtigen Strukturen aus den 90ern. Wir reden von Architekturen mit Dutzenden, manchmal Hunderten von Schichten. Jede Schicht extrahiert abstraktere Merkmale aus den Eingangsdaten.

Ein Beispiel: Bei der Bilderkennung lernt die erste Schicht vielleicht Kanten zu erkennen. Die zweite kombiniert Kanten zu einfachen Formen. Die dritte erkennt Texturen. Und irgendwann weiter oben im Netz entstehen Repräsentationen für «Gesicht», «Auto» oder «Katze». Du musst dem Modell nicht sagen, wie eine Katze aussieht – es findet die relevanten Merkmale selbst.

Das ist der Gamechanger: Automatisches Feature Learning. Du brauchst kein Domain-Wissen, um handgefertigte Features zu bauen. Du fütterst Rohdaten rein, das Netzwerk findet die Struktur.

Typische Deep-Learning-Architekturen:

  • Convolutional Neural Networks (CNNs) für Bildverarbeitung
  • Recurrent Neural Networks (RNNs) und LSTMs für Sequenzen
  • Transformer-Modelle (wie GPT, BERT) für Sprachverarbeitung
  • Generative Adversarial Networks (GANs) für Content-Generierung

Aber – und das ist kein kleines Aber – Deep Learning ist hungrig. Hungrig nach Daten, nach Rechenpower, nach Zeit. Ein simples Logistikmodell trainierst du in Sekunden auf deinem Laptop. Ein Transformer-Modell für Textklassifikation? Das braucht GPUs, Tage Training und Tausende von gelabelten Beispielen.

Und dann ist da noch die Black Box. Während du bei einem Entscheidungsbaum genau siehst, welche Features die Entscheidung treiben, ist ein 50-Schichten-Netz… naja, weniger transparent. Es funktioniert oft beeindruckend gut, aber warum genau? Schwierig zu sagen.


Architektur – Tiefe macht den Unterschied

Der fundamentale Unterschied liegt in der Architektur. Klassisches ML arbeitet meist mit flachen Strukturen oder gar keiner expliziten «Architektur» im neuronalen Sinne. Ein Random Forest ist eine Sammlung von Entscheidungsbäumen. Ein SVM findet eine optimale Trennebene im hochdimensionalen Raum. Klar definiert, mathematisch nachvollziehbar.

Deep Learning dagegen: Layer über Layer über Layer. Jede Schicht transformiert die Daten ein Stück weiter. Die frühen Schichten erfassen niedrige Abstraktionsebenen, die späteren hochkomplexe Konzepte. Diese Tiefe ermöglicht es, hierarchische Repräsentationen zu lernen – ein Konzept, das bei strukturierten Tabellendaten oft gar nicht nötig ist, bei Bildern oder Texten aber den entscheidenden Vorteil bringt.

Ein CNN für Bilderkennung hat typischerweise:

  • Convolutional Layers (lernen lokale Muster)
  • Pooling Layers (reduzieren Dimensionalität)
  • Fully Connected Layers (treffen finale Entscheidung)

Ein Transformer-Modell arbeitet mit:

  • Self-Attention Mechanismen (Beziehungen zwischen Wörtern)
  • Feed-Forward Networks (Transformation der Repräsentationen)
  • Multi-Head Attention (parallele Verarbeitung verschiedener Aspekte)

Das ist nicht nur akademische Spielerei. Diese Architekturen sind spezialisiert auf bestimmte Datentypen und Problemklassen. Wenn du sie richtig einsetzt, sind sie unschlagbar. Wenn du sie auf ein Problem loslässt, für das ein simpler Gradient-Boosting-Algorithmus reicht? Verschwendung von Ressourcen und Zeit.


Anwendungsfälle – Wo welcher Ansatz glänzt

Hier wird’s praktisch. Die Wahl zwischen Deep Learning und klassischem ML hängt stark vom Anwendungsfall ab.

Klassisches ML rockt bei:

  • Tabellarischen Daten (CRM, ERP, Transaktionsdaten)
  • Klar definierten Features
  • Mittleren Datenmengen (Tausende bis Hunderttausende Zeilen)
  • Anforderungen an Interpretierbarkeit
  • Schnellen Iterationen und Prototyping

Beispiele: Künstliche Intelligenz im Vertrieb mit Lead Scoring, Churn Prediction, Betrugserkennung in Finanztransaktionen, Preisoptimierung, Lagerbestandsmanagement.

Ich hab erst letzte Woche ein Projekt für einen E-Commerce-Kunden abgeschlossen. Ziel: Vorhersage, welche Kunden in den nächsten 30 Tagen wahrscheinlich kaufen. Datengrundlage: Klickverhalten, vergangene Käufe, Demografie. Ein XGBoost-Modell hat das Problem in zwei Tagen gelöst. Präzise, schnell, interpretierbar. Niemand brauchte Deep Learning dafür.

Deep Learning dominiert bei:

  • Unstrukturierten Daten (Bilder, Videos, Audio, Text)
  • Komplexen Mustern, die schwer manuell zu definieren sind
  • Großen Datenmengen (Millionen von Samples)
  • End-to-End-Lernen ohne Feature Engineering

Beispiele: Bildklassifikation in der Qualitätskontrolle, Spracherkennung, Natural Language Processing, autonome Fahrzeuge, medizinische Bildanalyse, Gesichtserkennung.

Ein anderes Projekt: Automatische Kategorisierung von Produktbildern für einen Großhändler. Zehntausende Bilder, Hunderte Kategorien. Ein CNN hat das Problem gelöst – aber erst nach Wochen Training, GPU-Clustern und massivem Daten-Labeling. Klassisches ML? Hätte da keine Chance gehabt.


Datenmenge und Datenqualität – Der entscheidende Hebel

Deep Learning ist datenhungrig. Punkt. Die Faustregel: Je tiefer das Netz, desto mehr Daten brauchst du, um Overfitting zu vermeiden. Ein CNN für Bildklassifikation? Denk an Zehntausende gelabelte Bilder pro Klasse. Ein Transformer für Textverarbeitung? Millionen von Textdokumenten.

Klassisches ML ist da genügsamer. Ein gut getunter Random Forest kann mit ein paar Tausend Beispielen schon vernünftige Ergebnisse liefern. Klar, mehr Daten helfen immer, aber der Unterschied ist nicht so dramatisch.

Dann die Datenqualität. Bei strukturierten Daten kannst du mit klassischem ML auch bei fehlenden Werten oder verrauschten Features noch arbeiten. Imputation, Outlier-Detection, Feature-Engineering – du hast viele Hebel. Bei Deep Learning musst du sauberer sein. Das Netz lernt aus allem, auch aus Rauschen. Schlechte Daten führen zu schlechten Modellen, und du merkst es oft erst spät.

Transfer Learning hat das Spiel ein bisschen verändert. Du nimmst ein vortrainiertes Modell (trainiert auf Millionen von Bildern) und feinjustierst es mit deinen spezifischen Daten. Plötzlich brauchst du nicht mehr Millionen eigene Bilder. Ein paar Tausend reichen. Aber das ändert nichts daran: Wenn du wirklich wenig Daten hast – sagen wir, ein paar Hundert Zeilen – ist klassisches ML fast immer die bessere Wahl.

Übrigens, wenn du dich fragst, ob dein Projekt überhaupt genug Daten hat: Wann lohnt sich ein Data Science Projekt – da gehe ich auf Entscheidungskriterien ein, die vor der Methodenwahl stehen.


Rechenressourcen und Hardware – Was du wirklich brauchst

Klassisches ML läuft auf deinem Laptop. Ernsthaft. Ein MacBook Pro mit 16 GB RAM kann locker einen Random Forest mit 100.000 Zeilen trainieren. In Minuten. Du brauchst keine Cloud, keine GPUs, keine komplexe Infrastruktur.

Deep Learning? Andere Liga. Training auf CPUs ist möglich, aber qualvoll langsam. Was auf einer GPU Stunden dauert, braucht auf einer CPU Tage oder Wochen. Deshalb: GPUs sind quasi Pflicht. NVIDIA ist hier der Standard – CUDA-Support, optimierte Bibliotheken, das ganze Ökosystem.

Für ernsthafte Deep-Learning-Projekte reden wir über:

  • GPUs mit mindestens 8 GB VRAM (besser 16 oder 24 GB)
  • Cloud-Plattformen wie AWS, Google Cloud, Azure mit GPU-Instanzen
  • Oder lokale Workstations mit RTX 3090, A100 oder ähnlichem

Die Kosten? Nicht ohne. Eine GPU-Instanz in der Cloud kostet schnell mehrere Dollar pro Stunde. Bei wochenlangem Training summiert sich das. Ein klassisches ML-Modell trainierst du für ein paar Cent.

Dann die Deployment-Seite. Ein XGBoost-Modell? Packst du in eine kleine API, läuft auf einem Standard-Server. Ein großes Transformer-Modell? Braucht auch in der Produktion oft GPUs oder zumindest optimierte Inferenz-Hardware. Die Betriebskosten sind höher, die Latenz oft auch.

Das heißt nicht, dass Deep Learning per se zu teuer ist. Wenn der Business Case stimmt – sagen wir, automatisierte Qualitätskontrolle, die Millionen an Ausschuss verhindert – dann sind ein paar Tausend Euro für Hardware und Training ein Witz. Aber es ist ein Faktor, den du einkalkulieren musst.


Interpretierbarkeit – Die Transparenzfrage

Hier liegt einer der größten praktischen Unterschiede. Klassisches ML ist oft interpretierbar. Ein Entscheidungsbaum? Du siehst jeden Split, jede Regel. Ein lineares Modell? Koeffizienten zeigen dir direkt, welche Features wie stark wirken. Selbst komplexere Modelle wie Random Forests haben Tools (SHAP, LIME), die dir Einblicke geben.

Deep Learning ist eine Black Box. Ja, es gibt Erklärungsansätze – Activation Maps, Attention Weights, Grad-CAM – aber sie kratzen oft nur an der Oberfläche. Du siehst, dass das Modell auf bestimmte Bereiche eines Bildes achtet, aber warum genau bleibt nebulös.

Das ist nicht nur ein akademisches Problem. In regulierten Branchen – Banken, Versicherungen, Medizin – brauchst du oft erklärbare Modelle. Die DSGVO gibt dir sogar ein «Recht auf Erklärung» bei automatisierten Entscheidungen. Ein Deep-Learning-Modell, das einen Kreditantrag ablehnt, ohne dass du sagen kannst warum? Rechtlich heikel.

Aber ehrlich: In vielen Anwendungen ist Interpretierbarkeit zweitrangig. Wenn ein CNN Krebszellen in Bildern erkennt und dabei Ärzte übertrifft, interessiert mich die Interpretierbarkeit weniger. Hauptsache, es funktioniert und ist validiert. Die Frage ist: Wie kritisch ist die Erklärbarkeit in deinem Kontext?

Für datengetriebene Entscheidungen im Geschäftsalltag würde ich aber sagen: Interpretierbarkeit ist ein echter Vorteil. Wenn du einem Vorstand erklären musst, warum dein Modell Strategie X empfiehlt, hilft dir ein XGBoost mit SHAP-Plots mehr als ein tiefes neuronales Netz. Mehr dazu in meinem Artikel zu datengetriebener Entscheidungsfindung.


Risiken und Fehlerquellen – Was schiefgehen kann

Beide Ansätze haben ihre Tücken, aber die Art der Probleme unterscheidet sich.

Klassisches ML:

  • Underfitting bei zu einfachen Modellen
  • Feature Engineering kann aufwendig und fehleranfällig sein
  • Schwierigkeiten bei hochdimensionalen, unstrukturierten Daten
  • Bias durch unausgewogene Daten (aber einfacher zu erkennen)

Deep Learning:

  • Overfitting trotz riesiger Datenmengen möglich
  • Lange Trainingszeiten machen Debugging langsam
  • Hyperparameter-Tuning ist komplex (Learning Rate, Batch Size, Architektur…)
  • Black-Box-Problem erschwert Fehleranalyse
  • Adversarial Attacks – minimale Veränderungen am Input können das Modell komplett verwirren

Overfitting ist bei Deep Learning besonders tückisch. Das Netz lernt vielleicht, die Trainingsdaten perfekt zu reproduzieren – aber generalisiert nicht auf neue Daten. Regularisierung (Dropout, Weight Decay) hilft, aber du brauchst Erfahrung, um die richtige Balance zu finden.

Bias ist bei beiden Ansätzen ein Thema. Wenn deine Trainingsdaten voreingenommen sind, wird es das Modell auch sein. Bei klassischem ML kannst du das oft durch Analyse der Features erkennen. Bei Deep Learning? Schwieriger. Das Netz lernt subtile Muster, die du nicht siehst.

Dann noch das Problem der Datenleakage – Information aus dem Test-Set sickert ins Training. Bei komplexen Pipelines mit vielen Preprocessing-Schritten (wie oft bei Deep Learning) ist das Risiko höher. Ein Grund, warum saubere Datenaufteilung und Validierung so wichtig sind.

Und noch was: Deep Learning ist anfällig für «shortcut learning». Das Modell findet einen einfachen Trick, um die Aufgabe zu lösen, der aber nicht das ist, was du eigentlich willst. Beispiel: Ein Modell zur Hautkrebserkennung, das nicht die Hautveränderung selbst lernt, sondern die Lineale, die Ärzte für Größenvergleiche aufs Bild legen. Funktioniert im Training super, versagt in der Praxis komplett.


Hybrid-Ansätze – Das Beste aus beiden Welten

Manchmal ist die Antwort nicht «entweder oder», sondern «sowohl als auch». Hybrid-Ansätze kombinieren klassisches ML und Deep Learning, um ihre jeweiligen Stärken zu nutzen.

Feature Extraction mit Deep Learning, Klassifikation mit ML: Du nutzt ein vortrainiertes CNN, um aus Bildern hochdimensionale Feature-Vektoren zu extrahieren. Diese Features fütterst du dann in einen Random Forest oder XGBoost. Du bekommst die Power von Deep Learning fürs Feature Learning, aber die Interpretierbarkeit und Schnelligkeit von klassischem ML.

Ensemble-Methoden: Kombiniere Vorhersagen mehrerer Modelle. Vielleicht ein Deep-Learning-Modell für komplexe Muster, ein Gradient-Boosting-Modell für strukturierte Features, und am Ende eine Meta-Learner, der die Vorhersagen zusammenführt. Kaggle-Gewinner nutzen sowas ständig.

Zwei-Phasen-Systeme: Phase 1: Schneller klassischer Classifier filtert offensichtliche Fälle. Phase 2: Deep-Learning-Modell bearbeitet die schwierigen, ambiguen Fälle. Du sparst Rechenzeit und nutzt Deep Learning nur da, wo es wirklich nötig ist.

Ich hatte mal ein Projekt zur Dokumentenklassifikation. Einfache Dokumente (Rechnungen, Verträge) wurden von einem schnellen Naive-Bayes-Classifier sortiert. Komplexe, mehrseitige Dokumente gingen an ein Transformer-Modell. Das System war deutlich effizienter als ein reiner Deep-Learning-Ansatz, und die Accuracy blieb hoch.

Hybrid-Ansätze brauchen mehr Engineering-Aufwand. Du musst zwei Systeme bauen, integrieren, debuggen. Aber wenn du es richtig machst, holst du das Optimum raus. Und manchmal ist genau das nötig, um ein Projekt aus der Forschungsecke in die Produktion zu bringen.


Die Zukunft – Wo geht die Reise hin?

Deep Learning dominiert aktuell die Headlines. GPT-Modelle, die Texte schreiben. Diffusion-Models, die Kunst generieren. AlphaFold, das Proteinstrukturen vorhersagt. Beeindruckend, keine Frage.

Aber klassisches ML ist nicht tot. Im Gegenteil. In der Industrie, bei strukturierten Business-Daten, bei allem, wo Interpretierbarkeit zählt, bleibt klassisches ML relevant. XGBoost-Modelle gewinnen weiterhin Kaggle-Wettbewerbe für tabellarische Daten. Unternehmen setzen auf bewährte, stabile Methoden – nicht immer auf die neueste Technologie.

Die Trends, die ich sehe:

AutoML wird wichtiger. Tools, die automatisch Modelle auswählen, Hyperparameter tunen, Features engineeren. Das senkt die Einstiegshürde für beide Ansätze. Aber: AutoML ersetzt nicht das Verständnis. Du musst immer noch wissen, was du tust.

Effizientere Deep-Learning-Architekturen. Modelle werden kleiner, schneller, weniger datenhungrig. Mobile-optimierte Netze, Pruning, Quantisierung. Deep Learning wird zugänglicher, auch für kleinere Projekte und Edge-Devices.

Explainable AI (XAI) entwickelt sich weiter. Die Black-Box-Problematik wird ernster genommen. Neue Methoden entstehen, um Deep-Learning-Modelle interpretierbarer zu machen. Perfekt wird das nie werden, aber besser.

Transfer Learning wird Standard. Vortrainierte Modelle sind überall verfügbar. Du nimmst ein Basis-Modell, feinjustierst es auf deine Daten. Das senkt die Datenmengen-Anforderung dramatisch.

Und dann noch was, das oft unterschätzt wird: Die Rolle von KI-Automatisierung in der Praxis. Modelle bauen ist eine Sache. Sie in echte Prozesse integrieren, skalieren, monitoren – das ist die andere. Und da spielt es oft eine größere Rolle, ob das Modell wartbar und robust ist, als ob es ein paar Prozentpunkte mehr Accuracy hat.

Meine Prognose: Deep Learning und klassisches ML werden koexistieren. Die Werkzeugkiste wird größer, hybrider, spezialisierter. Die Frage «Was ist besser?» wird ersetzt durch «Was passt zu diesem speziellen Problem?» Und das ist auch gut so.


Was bedeutet das jetzt für dein Projekt?

Okay, genug Theorie. Du hast ein konkretes Problem, Daten, vielleicht ein Budget. Wie entscheidest du?

Stell dir diese Fragen:

  1. Welche Datenart habe ich? Strukturierte Tabelle → eher klassisches ML. Bilder, Text, Audio → eher Deep Learning.
  2. Wie viel Daten habe ich wirklich? Unter 10.000 Samples → klassisches ML. Über 100.000 und unstrukturiert → Deep Learning könnte sich lohnen.
  3. Brauche ich Interpretierbarkeit? Ja, regulatorisch oder strategisch → klassisches ML. Nein, nur Performance zählt → Deep Learning möglich.
  4. Welche Ressourcen habe ich? Kein GPU-Budget, schnelle Iteration gewünscht → klassisches ML. Rechenpower und Zeit verfügbar → Deep Learning ist eine Option.
  5. Wie komplex ist das Muster? Einfache Zusammenhänge → klassisches ML reicht. Hochkomplexe, schwer beschreibbare Muster → Deep Learning.

Und ehrlich: Fang immer mit dem Einfacheren an. Selbst wenn du vermutest, dass Deep Learning letztlich besser performt – bau erst eine klassische ML-Baseline. Das gibt dir:

  • Schnelles Feedback, ob das Problem überhaupt lösbar ist
  • Eine Benchmark für komplexere Modelle
  • Verständnis für die Daten und ihre Eigenheiten

Ich hab Projekte gesehen, wo Teams Monate in Deep Learning investiert haben, nur um festzustellen, dass die Daten zu verrauscht waren. Eine einfache Regressionsanalyse hätte das in einer Woche gezeigt.

Falls du Unterstützung brauchst, um diese Entscheidungen zu treffen: Data Science Beratung für den Mittelstand ist genau dafür da. Keine theoretischen Spielereien, sondern klare Einschätzungen, was funktioniert und was Ressourcenverschwendung ist.


Und wenn du tiefer einsteigen willst?

Die Theorie ist das eine. Die Praxis das andere. Machine Learning und Deep Learning sind Skills, die man durch Anwenden lernt. Bücher helfen, Kurse auch, aber nichts ersetzt das Gefühl, wenn du siehst, wie ein selbst trainiertes Modell tatsächlich vernünftige Vorhersagen trifft.

Falls du oder dein Team sich weiterbilden wollt: Ein Data Science Online Course kann der richtige Einstieg sein. Wichtig ist: Praxisnähe. Kein akademisches Gedöns, sondern echte Probleme, echte Daten, echte Lösungen.

Und noch was: Unterschätze nicht die Grundlagen. Bevor du dich in komplexe neuronale Netze stürzt, solltest du Analytics-Grundlagen und Tracking im Griff haben. Daten sammeln, sauber halten, verstehen – das ist das Fundament. Machine Learning ist nur so gut wie die Daten, mit denen du es fütterst.

Und dann natürlich: Machine Learning Algorithmen verstehen, nicht nur anwenden. Wenn du weißt, wie ein Random Forest funktioniert, kannst du ihn besser tunen, debuggen, anpassen. Blind Bibliotheken aufrufen führt zu mittelmäßigen Ergebnissen.


Ein letzter Gedanke

Neulich saß ich mit einem Kunden zusammen, der unbedingt «Deep Learning» wollte. Weil es modern klang. Weil die Konkurrenz damit wirbt. Ich hab ihn gefragt: «Was ist dein Ziel? Performance, Interpretierbarkeit, Time-to-Market?» Seine Antwort: «Eigentlich will ich nur wissen, welche Kunden nächsten Monat kaufen werden.»

Wir haben ein XGBoost-Modell gebaut. In zwei Wochen. Mit 87% Accuracy. Keine GPUs, kein Monatelang Training, keine Black Box. Problem gelöst.

Manchmal ist die beste Technologie die, die du nicht benutzt. Deep Learning ist mächtig, keine Frage. Aber es ist ein Werkzeug, kein Selbstzweck. Die Frage ist nie: «Wie beeindruckend ist die Technologie?» Die Frage ist immer: «Löst sie mein Problem effizient und zuverlässig?»

Das ist der Unterschied zwischen Tech-Spielerei und echtem Business-Impact. Und genau da liegt der Fokus bei fbmev – auf Lösungen, die funktionieren, nicht auf Buzzwords, die beeindrucken.

Du hast jetzt die Fakten. Deep Learning vs Machine Learning – zwei Ansätze, unterschiedliche Stärken, unterschiedliche Szenarien. Die Wahl liegt bei dir. Und wenn du sie triffst, triff sie bewusst. Mit klarem Blick auf deine Daten, deine Ressourcen, deine Ziele.

Dann wird’s gut. Versprochen.